Immun gegen die alltäglich gewordenen Gewalt?

Veröffentlicht am 30. Januar 2026 um 15:52

Nicht die Welt gerät gerade aus den Fugen,
sondern wir Menschen sind es!

Und immer wieder die Frage:
Was hilft, mit den Erschütterungen umzugehen?
Welche Reaktionen sind überhaupt noch stimmig, welche geboten?
Und gibt es eine legitime Form sich gegen die täglichen Hiobsbotschaften zu „immunisieren“?

Immun…

gegen die täglich zunehmenden Ungeheuerlichkeiten,
gegen den beängstigenden Macht- und Männlichkeitswahn aller Orten,
gegen das Wegbrechen demokratischen Selbstverständnisses,
gegen die Hasskampagnen aus den Köpfen der Neurechten,
gegen die willkürlichen, tödlichen Gewaltorgien an Menschen
auf den Straßen weltweit - zwischen Kyjiw, Teheran und Minneapolis
und an so vielen Orten, deren Namen wir nicht mal kennen?

Wenn ich mein Immunsystem befragen, dann bedeutet „immun“ wohl nicht, kalt zu werden gegen die Gewalt oder unsere Berührbarkeit durch Leid abzustellen! Sie ist nicht der Fehler im System. „Immun“ kann nicht bedeuten, uns innerlich abzuschotten, den Kopf in den Sand zu stecken oder die Verantwortung weiter zu delegieren!

Ein gesundes Immunsystem gleicht doch eher einem hochsensiblen, kraftvoll und präzise auf Hochtouren arbeitenden Mechanismus, der im Idealfall durch achtsame Lebensführung und bewusste Pflege besonders gestärkt ist!
Immun sind wir, wenn unser System wach-sam ist und Zerstörerisches frühzeitig erkennt.
Immun sind wir,  wenn wir genug Widerstandskraft, genug eigene Lebensvisionen besitzen, um Lebensfeindliches nicht einziehen zu lassen: nicht in unsere Körper oder Köpfe, nicht in unsere Beziehungen, nicht in unser zwischenmenschliches Zusammenleben!
Geimpft gar nennen wir uns, wenn wir zerstörerische Mechanismen so nah an uns herangelassen haben, dass wir sie jederzeit und ohne mit der Wimper zu zucken als lebensfeindlich wiedererkennen und uns ihnen entgegenstellen!
„Immun“ haben wir genug innere Abwehrkräfte, um in uns und um uns herum
für ein lebensbejahendes und menschliches Klima zu sorgen!

Also sehne, suche und schaffe ich sie herbei: meine tägliche Impfdosis
an Menschlichkeit, Würde, Klarheit und Urteilsfähigkeit, ...meine Stärkung der Abwehrkräfte!
Jeden Moment in empathischer Selbstverständlichkeit, jeden ehrlichen und unerschrockenen Austausch, jede Begegnung in respektvoller Verbundenheit, jedes Eintauchen in Lebensenergie und Berührbarkeit, jeden Sonnenstrahl auf der Haut, jedes friedliche Lächeln im Gesicht von Menschen und jedes Vorbild, das meine T-Helferzellen beflügelt und mir zeigt:
es ist unsre Aufgabe als Mensch, unser Immunsystem gegen Unmenschlichkeit zu hegen und zu pflegen!

Das erinnert mich an ein Buch meiner Kindheit: „Frederick und die Farben“ von Leo Lionni! Und so sammle und schaffe ich sie täglich und ganz bewusst. Lebendige, wärmende und bunte Momente des Lebens. Behüte sie wie einen Schatz. Weil ich nicht anders kann. Und weil ich es als unsere Aufgabe ansehe, unsere Speicher zu füllen - die eigenen und die kollektiven: um uns damit im Innen klar und wach zu halten auch und gerade für die Momente, in denen der Zusammenbruch von Menschlichkeit im Außen wieder zu groß zu werden scheint!


Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.